Die Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)

Die ICSI (Intrazytoplasmatische Spermieninjektion) ist eine von mehreren Methoden der künstlichen Befruchtung, die in weiten Zügen der IVF (In Vitro Fertilisation) ähnelt. Wie bei jener werden separat Eizellen der Frau und Spermien des Mannes gewonnen. Die Eizellengewinnung wird hormonell unterstützt.

Intrazytoplasmatische Spermieninjektion ICSI

Der wesentliche Unterschied zwischen der IVF und der ICSI besteht darin, dass eine Samenzelle direkt in die Eizelle gespritzt wird, während bei der IVF eine spontane Befruchtung im Reagenzglas aufgrund der Eigenbeweglichkeit der Spermien stattfindet. Das Einspritzen in das Zytoplasma der Eizelle mithilfe der ICSI ist nötig, weil die Spermien das Eindringen selbst nicht schaffen.

Der Unterschied von IVF und ICSI: Bei der ICSI werden Samen des Mannes direkt in die Eizelle gespritzt. Bei der IVF findet dieser Prozess in einem Reagenzglas statt.

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Intrazytoplasmatische Spermieninjektion: Anwendung und Erfolg

Paare, die sich zu einer ICSI entschließen bzw. denen die Klinik dazu rät, haben andere Methoden für einen Ablauf künstlicher Befruchtung wie die IVF vorab meistens erfolglos ausprobiert. Manchmal wird die Intrazytoplasmatische Spermieninjektion auch von vornherein empfohlen, wenn die Spermaqualität des Mannes offenbar nichts anderes zulässt.

Auch die Spermaqualität des Mannes ist entscheidend für die Entscheidung hinsichtlich einer Befruchtungsmethode.

Das Verfahren der Befruchtung durch ICSI ist an sich sehr erfolgreich, es gelingt nahezu immer. Das bedeutet allerdings nicht zwingend, dass eine Schwangerschaft garantiert ist, denn nach dem Einsetzen der befruchteten Eizelle(n) in die Gebärmutter entstehen neue Wahrscheinlichkeiten der Einnistung des Embryos. Diese liegen – abhängig von individuellen Faktoren wie dem Alter der Mutter – zwischen rund 20 und 40 Prozent.

Eine ICSI ist sogar durchführbar, wenn das Ejakulat des Mannes gar keine Spermien aufweist. Ohne Intrazytoplasmatische Spermieninjektion wäre er dann unfruchtbar, jedoch ist es möglich, seine Spermien auch aus dem Hoden durch einen mikrochirurgischen Eingriff zu gewinnen. Diese Spermien können sich für eine Befruchtung per ICSI eignen.

Untersuchung der Spermaqualität bei einer ICSI

Wie bei jeder künstlichen Befruchtung wird die Spermaqualität untersucht. Hierzu werden sie unter 400-facher mikroskopischer Vergrößerung analysiert. Eine Weiterentwicklung ist die morphologische Spermienselektion mit 6.000-facher Vergrößerung. Das Verfahren heißt IMSI (Intrazytoplasmatische Injektion morphologisch-selektierter Spermien) und kann angewendet werden, wenn die Intrazytoplasmatische Spermieninjektion nicht erfolgreich war.

ICSI Ablauf

Der Ablauf ähnelt weitestgehend dem bei der IVF, über den wir an anderer Stelle berichteten. Die Eizellenproduktion der Frau wird zunächst hormonell unterdrückt, anschließend gefördert und beobachtet, um zu einem geeigneten Zeitpunkt mehrere Eizellen zu entnehmen. Parallel dazu gibt der Mann sein Sperma ab, wenn es ihm nicht speziell mikrochirurgisch aus dem Hoden entnommen wird (siehe oben).

ICSI Befruchtung künstlich

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Nach der Befruchtung durch die Intrazytoplasmatische Spermieninjektion werden meistens zwei, bei Frauen über dem 35. Lebensjahr auch etwas mehr befruchtete Eizellen eingesetzt. Es gilt, die Erfolgschance zu vergrößern, das Risiko einer Geburt von Mehrlingen aber in Grenzen zu halten.

Diskussion um die Intrazytoplasmatische Spermieninjektion

Wie alle künstlichen Befruchtungsmethoden wird auch die ICSI öffentlich (ethisch), medizinisch und juristisch diskutiert. Sie ermöglicht unter anderem eine Präimplantationsdiagnostik auf Erbkrankheiten, die derzeit in Deutschland (Stand: 2018) nur beim schwerwiegenden Verdacht auf eine Erbkrankheit erlaubt ist.

Eine medizinisch-ethische Diskussion dreht sich darum, dass die ICSI die biologische Selektion außer Kraft setzt. Normalerweise setzen sich bei einer natürlichen Befruchtung, aber auch bei anderen Verfahren der künstlichen Befruchtung wie der IVF oder der IUI (assistierte Befruchtung im Körper der Frau) die leistungsfähigsten Spermien durch – bei der ICSI hingegen nicht. Zwar werden die leistungsfähigsten Spermien durch das Labor ausgesucht. Doch der natürliche Selektionsvorgang findet nicht mehr statt, der wahrscheinlich zu gesünderen Embryonen führt.

Inwieweit das Erbkrankheitsrisiko durch die Intrazytoplasmatische Spermieninjektion steigt, gilt aktuell als umstritten. Beweise für so eine Annahme liegen nicht vor, es gibt bestenfalls vage Studiendaten. Diese können aber nicht eindeutig den Zusammenhang zwischen der Befruchtungsmethode und einer Erbkrankheit belegen. Es wäre nämlich auch denkbar, dass die Störung bei einem Teil der Eltern an sich vorliegt, dieses Elternteil unter Umständen mit viel Geduld doch zeugungsfähig wäre und dann ganz ohne ICSI-Befruchtung die Erbkrankheit weitergeben würde.

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