In Vitro Fertilisation (IVF) als Befruchtungsmethode

Die In Vitro Fertilisation ist eine künstliche Befruchtung im Reagenzglas (lateinisch wörtlich: “Befruchtung im Glas“), die schon seit den 1970er Jahren praktiziert wird. Einer der Entwickler (Robert Edwards) erhielt dafür 2010 den Nobelpreis für Medizin.

In Vitro Fertilisation IVF

Für die IVF gibt es strenge Rechtsvorschriften, die allerdings in einzelnen Staaten unterschiedlich ausfallen. In Deutschland ist eine In Vitro Fertilisation unter zwei Voraussetzungen möglich:

  • Ein Paar bekommt trotz normalen Sexuallebens keine Kinder.
  • Es ist wegen möglicher Erbkrankheiten eine Präimplantationsdiagnostik angezeigt.
  • Ablauf einer In Vitro Fertilisation

Für diesen Ablauf der künstlichen Befruchtung müssen die Eizellen der Frau und die Spermien des Mannes gewonnen werden. Wenn die IVF wegen einer Präimplantationsdiagnostik durchgeführt wird, aber auch routinemäßig bzw. beim kleinsten Verdacht auf Erbkrankheiten werden mögliche Fehler im Erbgut der Eizellen und Spermien untersucht.

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Vorgehen bei der In Vitro Befruchtung

Für die Entnahme der weiblichen Eizellen erfolgt zunächst eine medikamentöse Downregulation, welche die Produktion von Eizellen reduziert. Anschließend lassen sich durch eine hormonelle Stimulation mit Sicherheit eine, in der Regel aber wesentlich mehr Eizellen gewinnen. Das geschieht durch die sogenannte ovarielle Stimulation. Hormonpräparate stimulieren die Reifung mehrerer Eizellen, es können durchschnittlich 15 werden.

Die IVF Methode der künstlichen Befruchtung erfolgt in einem Reagenzglas. Im Vergleich dazu steht die ICSI, bei der die Befruchtung im Körper der Frau stattfindet.

Die Injektion der Hormone unter die Haut der Bauchdecke kann die Frau selbst über einen Zeitraum von bis zu 11 Tagen vornehmen. Sie verwendet in der Regel einen Pen, also einen Injektionsstift, wie ihn auch Diabetiker für ihr Insulin einsetzen. Die Bauchdecke spannt sich dabei eventuell leicht, das ist unbedenklich. Parallel dazu gibt der Mann sein Sperma ab, das auf seine Konzentration, Motilität (Beweglichkeit), Morphologie (Form) und Infektionen durch Chlamydien oder Bakterien überprüft wird. Für das normale Spermiogramm gibt es WHO-Kriterien.

Bei der Frau werden ab dem sechsten Tag des Monatszyklus’ die Follikel mit Ultraschall überwacht. Am neunten Zyklustag entscheidet der Arzt über den richtigen Entnahmezeitpunkt für die Eizellen. Das hängt von der Follikelgröße ab. Der Follikelsprung (die sogenannte Ovulation) wird ebenfalls hormonell (mit HCG) ausgelöst. Anschließend erfolgt eine Punktion der Follikelflüssigkeit. Das bedeutet, dass die einzelnen Eizellen entnommen werden.

IVF künstliche Befruchtung

Die Befruchtung bei der IVF

Die Eizellen werden nun mit den Samenzellen befruchtet, wobei die Erfolgsrate bei rund 50 bis 70 % liegt. Es gibt dazu verschiedene Methoden. Bei der klassischen In Vitro Fertilisation erfolgt die Befruchtung spontan in einem Reagenzglas. Der Vorteil dieser Methode besteht darin, dass sich die besonders mobilen, damit wahrscheinlich die leistungsfähigsten Spermien durchsetzen. Es gibt aber neben dieser klassischen IVF auch noch andere Methoden wie die ICSI (Intrazytoplasmatische Spermieninjektion), die wir in einem gesonderten Artikel erläutern.

Embryonentransfer bei der In Vitro Fertilisation

Durch die Befruchtung entstehen bei entsprechendem Erfolg Zygoten, also befruchtete Eizellen, die auf ihre Qualität kontrolliert und im Brutschrank kultiviert werden. Das erhöht nochmals die Erfolgsaussichten der IVF. Anschließend kann der Embryonentransfer erfolgen. Hierbei setzt die Klinik in der Regel in den Uterus der Frau zwei Embryonen ein. Mehr sollen es bei Frauen bis zum 35. Lebensjahr nicht sein, weil sonst die Wahrscheinlichkeit einer Mehrlingsgeburt sehr hoch ist.

Die befruchteten Eizellen nennt man Zygoten. Sie entstehen im Erfolgsfall der IVF Methode.

Für den Embryonentransfer gibt es zwei Zeitpunkte: Am zweiten Tag nach der Befruchtung sind vier Zellen entstanden, am fünften Tag sind die befruchteten Eizellen inzwischen mehrzellige Blastozysten. Welcher Zeitpunkt gewählt wird, hängt von individuellen Faktoren bei der Frau ab. Überzählige befruchtete Eizellen oder Embryonen können eingefroren werden, wobei die deutsche Rechtslage das Einfrieren von Embryonen nur als Notfallmaßnahme gestattet. Eine In Vitro Fertilisation führt nicht mit Sicherheit zum Erfolg.

Ob die Frau wirklich schwanger wurde, ist 14 Tage später durch einen Schwangerschaftstest festzustellen. Die Erfolgsquote der IVF liegt je nach dem Alter der Frau und weiteren individuellen Faktoren (unter anderem der Spermienqualität) bei rund 20 bis 40 %.

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Deutsche Rechtslage bei der IVF

Eine In Vitro Fertilisation wirft verschiedene ethische Probleme auf, welche die Gesetzgeber unterschiedlicher Staaten zu sehr verschiedenen Rechtsvorschriften veranlassen. Es ist naturgemäß möglich, eine befruchtete Eizelle einer Leihmutter einzusetzen. Außerdem kann der Samenspender anonym bleiben, auch wenn ein Elternpaar das Kind großziehen möchte, der Mann aber unfruchtbar ist.

Es wäre also im Extremfall die Konstellation denkbar, dass die Frau ihre Eizelle spendet und damit die leibliche und später die soziale Mutter ist, ihr Mann die Rolle des sozialen Vaters übernimmt, eine Leihmutter als Gebärende eine natürliche Mutter-Kind-Bindung entwickelt und außerdem der anonyme Samenspender als genetischer Vater existiert.

Die soziale und genetische Elternschaft fallen damit auseinander. Sogar eine Eizellspende wäre denkbar. Diese ist in Deutschland verboten. Die Leihmutterschaft darf medizinisch nicht unterstützt werden, Leihmütter und beauftragende Eltern werden aber nicht bestraft. Die Präimplantationsdiagnostik ist in Deutschland nur beim Verdacht auf eine schwere Erbkrankheit erlaubt.

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